Kritiken zu Amadeus Superstar im Theater unterm Dach Berlin

Posted on 6. März 2014 in Allgemein

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Amadeus Superstar

Ein simultanes Performance Drama
Von Nina Kupczyk
Musik Max van der Rose
In Kooperation mit
Transform 23

Im Theater unter dem Dach thematisiert die Hamburger Regisseurin Nina Kupczyk den Verlust von Identität durch den Zwang zur Vermarktung der eigenen Individualität. Sie stellt die Frage nach dem Zusammenhang von Genie und Wahnsinn und will darin den Mechanismus der Massenmedien zeigen, die aus dem Spiel von „a Star is born“ und dessen anschließender Zerstörung ein Millionenspiel machen. Eine feine Medienkritik, die alle, denen es möglich ist, sich bis Sonntag jeden Abend nochmal im Theater unter dem Dach ansehen sollten.

Es beginnt auf fast leerer Bühne von der ein weiß gewandeter Amadeus von Sternenkunst spricht.
Während sich drei Schauspieler nun vor Umrissen bewegen, sitzt Amadeus Vater Leopold  mittig, das Puppen Kind auf dem Schoß.

Eine vierte, die sich viel später als Nannerl die Gestalt der Liebe offenbart,  räkelt sich rechts im Kleid zum immer im Hintergrund Spiel des mechanischen Spinett.

Der Knabe Amadeus das von Gott geliebte Kind als Puppe wandert nun von Hand zu Hand auf der Suche nach Liebe.

Erinnerungen werden zu Figuren in der Leopold erzählend auftritt.

Filmische Einspielungen schaffen ein neues Bild im Übergang in dem der Mann in schwarz nun von den übrigen zustimmend unterstützt sich über das Sein an sich auslässt und die Rolle des Künstlers an Schlagzeilen des Boulevard abstrahiert. Wo der Manager die Künstler reduziert. Die zum Abfall werden während sie von sich abfallen.

So ist der Mann in Schwarz der die Künstler in Grenzen weist indem er die Anpassung an den Markt fordert der Herr der Bühne, der die Amadeus Figuren immer wieder reduziert, um sie zum Star der Massen zu machen, in der nun als Werbeblock eingeblendeten christlichen Hitparade.

Sie werden zum Star Casting gebracht als die drei Amadeus sich präsentieren und sich gegeneinander durchsetzen wollen kommentiert von ihrem Manager, als der sich der Herr in Schwarz offenbarte, im Kampf gegeneinander der noch im Lachen endet. Der einen, die zum Star wird, deren Leben nun umgedreht wird. Immer noch auf der Suche nach Liebe muss sich der neue Star ausziehen, um alle in einer zu werden. Abgerichtet wie ein Hund sind sie nun Stars in der Gewünschten Rolle jenseits aller Kreativität ein Star in seinen Schemen geworden.

So suchen sich die nun Stars ihre Rolle im Schattenriß wieder. Finden sich daraus zum Tanz um den Stuhl den der Papa wieder lenkt und Nanerl wird zum Geschenk der Liebe, die er so sehr sucht und umwickelt sich wieder gegen den Schmerz bis der Tod kommt muss noch viele mal aufgestanden werden.

Sie spielen bis der Tod sie holt es nicht mehr weiter geht. Nur Nanerl ist übrig mit dem Vater, der sie nicht erkennt, nur von der Gunst des Fürsten träumt, bis er über sie stolpert. Um sich dann vor Video im Hintergrund als Star präsentiert. Zu dem bis auf Nanerl alle fröhlich tanzen als verzweifelte Stars. Die immer dissonantere Präsentation ergreift wie erschüttert. Wird zur Beschimpfung des Publikums bis der eine Amadeus nieder gerungen wird, hält sich der andere die Ohren wippend zu präsentiert der Dritte bis zum Umfallen am Rande des erträglichen. Fragt sich der Vater, ob er zur Bestie wurde mit dem Versuch der Welt das Schöne zu bringen. Bis sie wieder in ihre Rolle gebracht werden, denn sie wollen einfach das Neue, weil sie wissen, wie sie sich verkaufen, es nichts besonderes ist etwas Besonderes zu sein, ein Star eben.

Leopolds Monolog spricht über das was der Mensch wert ist, wenn nichts mehr bleibt. Sie müssen für alle sprechen auf der Suche nach Wahrheit.

Die zwei weiblichen und der eine männliche Amadeus spielen hervorragend voller Leidenschaft, der Manager als genial böse Gestalt des Kapitals, wächst über sich immer hinaus im Spiel, das zu Anfang noch von sehr intellektuellen Monologen zum Sein des Künstlers als Star geprägt ist. Leopold spielt die doppelte Rolle des Managers und Vaters, der seine Kinder verkauft, um der Welt etwas wunderbares zu schenken. Nanerl als luftige Gestalt der Liebe leidet auch groß an dieser.

Eine lohnende, grandiose Aufführung voller Geist und Schönheit, die Autorin und Regisseurin Nina Kupczyk übertraf sich in Wechsel der Zeiten selbst und setzt sich klug, kritisch mit dem Kult um Superstars auseinander und führt uns vor wie unerträglich diese Welt für die Kunst wurde, die im Kult untergeht.
jt 27.2.14

Jamal Tuschick

„Der Freitag“, Kultur

28.02.2014 | 17:40

Vom Rokoko gepuderter Musikmops

Theater „Amadeus Superstar“ – Nina Kupczyk inszeniert das Drama des begabten Kindes zum Beispiel von Wolferl den-Gott-liebt am Berliner Theater unterm Dach

Historische Aufzüge und Ausflüge in die Gegenwart bestimmen das Geschehen auf der Bühne im Wechsel. Das Wunderkind geht in Serie als Kinderstar im Rokoko. Wolfgangs Justaucorps sitzt. Die Kniehosen sind der letzte Schrei. Die Waden liegen blank. Der Hochbegabte ist Spielzeug des Establishments. „Kann er auch blind spielen und mit einem Finger orchestral klingen?“ fragt der Monarch matt von der Fadesse seines Überflusses.

Wolferl Amadeus kann das und darf deshalb auf den Schoss der Kaiserin. Er wird herumgereicht und mit ihm seine Schwester Maria Anna Walburga Ignatia, kurz Nannerl. Ebba Ekholm spielt sie von leidend bis bandagiert. Antje Temler, Sol Ly und Tom Pidde spielen den Bruder. Man tritt ihm ständig in den Arsch.

Die Geschwister touren, europaweit gebucht vom Adel und geplagt von Artigkeit.

Wolferl reist in solistischen Angelegenheiten mit dem Vater, er versorgt Nannerl polyglott mit Nachrichten. Man bewundert seinen unverfrorenen Stil, seit die Bäsle-Briefe im Original überliefert werden. Dies zur Probe des Tonfalls: „Dir schicke ich hundert Busserln oder Schmatzerln auf Dein wunderbares Pferdegesicht.“

Er reist als getrimmter Virtuose, angehalten zur Höchstleistung in Permanenz vom Leopold. Wie der Vater den Sohn springen lässt, das sieht man auf der Bühne ganz vorzüglich als Mechanik mit Kleist’schen Scharnieren. Wolfgang Noack erinnert mich als Gevatter Mozart aber auch an den alten Graf, das Preisgeld in Plastiktüten vom Platz tragend.

Der junge Mozart ist der „Musikmops“ einer Epoche. Man muss ihn nur auf den Kopf stellen, dann fallen die Noten gefällig(st) ihm aus den Ohren. Auf den Kopf gestellt wird er zumal von einem Terroristen des gesunden Volksempfindens. Christian Senger hilft Ähnlichkeit mit Charles Manson, um übel zu wirken. Er ist Stabschef des sadistischen Mittelmaßes und so geht das immer weiter Richtung Ernüchterung. Am Ende haben alle Burnout und jeder weiß, was nach dem Hochmut der Hybris auf den Fuß fällt. 

Foto: Max van der Rose