Warum Theater

Posted on 5. Mai 2016 in Allgemein — Share this via

Nina_Kupczyk

Wie bist du zum Theater gekommen?

Mein Vater hat mich mitgenommen und ich bekam Ballettunterricht. Mein Lehrer lebte mir Passionen des Ausdrucks vor. Er war Tänzer bei Kresnik. Ich begann zu schreiben und habe schon in der Grundschule meine Geschichten mit „echten“ Menschen nachgespielt. Später wurden es professionelle Darsteller. Ich schrieb dabei immer aus dem Gefühl heraus, mich gegen verschiedene Zustände oder Ereignisse aufzulehnen oder um besonders rührseelige Geschichten auszuleben. Meine erste Geschichte, die ich in der 2. Klasse umsetzte, war die Story eines kranken Sultans. Mit 14 drehte ich meinen ersten Kurzfilm: in den Sommerferien- über Ludwig II. Auch James Cook hatte es mir eine zeitlang besonders angetan. Alles war dabei immer von Musik dazu machen begleitet.

 Warum schreibst du?

weil ich damit Realitäten erfinden kann. Ich leiste Widerstand und sage etwas durch die Blumen der Lügenfassaden. Außerdem wandel ich die Vergänglichkeit in Hoffnung, zeige die Endlichkeit auf, das kommt aber auf das Stück an. Wenn ich für Kinder schreibe, spreche ich die emotional-seelische Entwicklung an.

Warum machst du Theater?

um Menschen in multiethnische Wesen zu verwandeln? Das ist eine Frage, die man mit allen Antworten beantworten kann. Ich könnte behaupten, ich wolle mit meinen Inszenierungen die Gesellschaft verändern, aber die Gesellschaft ist eine zu komplizierte Angelegenheit geworden und viel zu komplex, um sie auf Provokationen oder reine Ästhetik ansprechend zu reduzieren. Ich kann sagen, mache Theater, um Angebote für Diskussionen zu machen. Ich mache Theater, um einen Standpunkt gegenüber einzelnen Ereignissen und Zuständen anzubieten, ohne die Kunst im Sinne Peter Weiss auf Identitätsbildung gegenüber der Politik zu reduzieren. Die Politik gibt es als greifbare Bewegung nicht mehr. Die Welt ist zu komplex geworden, als dass man mit platten Belehrungen daherkommen kann. Warum sollte ich denn auch denken, dass ich die Lösungen für die Menschheit parat habe? So viel Größenwahn habe ich nicht. Man kann aber Menschen emotional anrühren, was ich gerne mache. Man kann auch Menschen ihre Möglichkeiten zum Denken und Fühlen aufzeigen. Das Theater ist daher der Raum der Möglichkeiten für mich, neue Sichtweisen und emotionale Dimensionen zu simulieren, die die Utopien sind. Albert Einstein: Imagination ist wichtiger als Wissen.

Warum Oper?

wegen der Kraft der Emotionen der Musik. Mit Musik kann man Menschen manipulieren. Darum mache ich nur noch gute Oper direkt ins Hirn, meinetwegen auch Herz, aber mit dem Herzen ist das so eine Sache. Das Herz braucht gute Menschen, die wissen, was sie da dem Publikum anbieten und in ihnen anrühren.  Man braucht eine Vorstellung von der guten Gestalt der Dinge, Intuition, Liebe, Humor und eine absolute Hingabe an die Kraft der Musik.

Was macht deine Handschrift aus?

die Dichte meiner Bilder und die Intensität gesunder Psychosen, die alle Arten von Utopien im Sinne „andere Seinswelten“ sind. Meine Sprache ist das Unrealistische und das Gegenweltliche des Theaters, eine eigene Sprache des Ausdrucks. Mein künstlerischer Sinn mit Menschen zu arbeiten, ist eine empathische Ästhetik.

Wer sind deine Helden / innen?

Captain Future und Hannah Arendt.

Wie passen Psychologie und Kunst für dich zusammen?

50% meiner Arbeit als Regisseurin ist Kommunikation und Menschenführung. Das hat sehr viel mit Psychologie zu tun. Ich entwickle Menschen auf der Bühne, bringe sie zur Entfaltung. Ich mache Kunst der Empathie. Das ist ein Schöpfungsakt mit Bodenhaftung. Eine Entdeckung des realen Wunders.

Welche Musik berührt dich?

Musik, die überleben lässt.

©Taz 2013

 

Nina_Kupczyk (2)